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mammaNetz in Apotheken


„Pharmazeutische Betreuung von Patientinnen mit Mammakarzinom in einem sektorenübergreifenden Versorgungsmodell“ lautete der Titel des Modellprojekts, das die Betreuung von Brustkrebspatientinnen in öffentlichen Apotheken im Rahmen der Integrierten Versorgung „mammaNetz“ erprobte und wissenschaftlich evaluierte. Laufzeit des Projekts war von 2005 bis 2010.

 Download Projektüberblick in Posterform.

 Studie/Dissertation online. Dort auch Download möglich.


Integrierte Versorgung um Apotheken-Bereich erweitern

Das Projekt verfolgte das Ziel, öffentliche Apotheken in das bestehende sektorenübergreifende Versorgungsmodell für Mammakarzinompatientinnen mammaNetz einzubinden. Zuvor wurden die Apotheker anhand einer speziell entwickelten Fortbildung geschult. Die projektbegleitende explorative Studie sollte Anhaltspunkte über Machbarkeit und Nutzen einer um Case-Management-Aspekte erweiterten intensivierten Pharmazeutischen Betreuung liefern. Dazu wurde ein definiertes Patientenkollektiv hinsichtlich verschiedener Endpunkte untersucht.

Die Apotheker sind die Ansprechpartner der Patientinnen bei allen arzneimittelbezogenen Fragen und üben zudem eine wegweisende Beratung im sozialen Bereich aus. Ihre Arbeit ist unter anderem darauf gerichtet, durch engmaschige Überwachung der Medikation und Begleittherapie arzneimittelbezogene Probleme zu vermeiden bzw. zu lösen, Therapiemitarbeit (Compliance) und Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern und sie im Rahmen des Möglichen zum Selbstmanagement ihrer Krankheit zu motivieren. Die Vernetzung und Kooperation aller beteiligten Partner (z.B. niedergelassene Ärzte, Klinikärzte, Case Managerinnen, Apotheker) in der Integrierten Versorgung soll langfristig Komplikationen, Folge- und Spätschäden der Krankheit vorbeugen und somit Kosten im Gesundheitssystem einsparen.

 

Schulung von Modell-Apotheken

Für den Einstieg in die intensivierte Pharmazeutische Betreuung nahmen 160 ApothekerInnen aus rund 100 Apotheken aus dem Raum Augsburg an einer neunstündigen Fortbildung zur Brustkrebserkrankung teil. Das Fortbildungscurriculum wurde 2005 in enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Klinische Pharmazie der Universität Bonn und der Bayerischen Landesapothekerkammer speziell für die Durchführung dieses Projekts entwickelt. 64 geschulte Apotheken aus der Modellregion entschieden sich für eine enge Zusammenarbeit mit mammaNetz und sind fest in das interdisziplinäre Netzwerk eingebunden. 33 Netzwerk-Apotheken nahmen an der begleitenden Studie teil.


Wissenschaftliche Evaluierung

Der Studie lag ein multizentrisches, prospektives, zweiarmiges Studiendesign zugrunde. Der Start erfolgte mit der Rekrutierung erster Patientinnen im Januar 2005. Zuvor festgelegte Kriterien sahen einen Einschluss von Patientinnen mit Mammakarzinom unter adjuvanter Therapie vor. Alle Patientinnen wurden parallel durch zertifizierte Case Managerinnen der Begleit- und Orientierungsstelle mammaNetz betreut. Insgesamt wurden 92 Patientinnen, jeweils 46 für die Standard- und Intensivbetreuungsgruppe, sowie 33 Apotheken für diese Studie rekrutiert. Die Standardbetreuungsgruppe erhielt eine 12-monatige Standardbetreuung in Apotheken, während die Intensivbetreuungsgruppe durch geschulte Studienapotheker intensiviert pharmazeutisch betreut wurde. Die Patientinnen wurden innerhalb des Studienjahres zu drei festgelegten Zeitpunkten hinsichtlich ihrer Erfahrungen interviewt. Erfragt wurden die Zufriedenheit mit der Information zur Krebsbehandlung, die Zufriedenheit mit der Apothekenbetreuung, der Umfang an erhaltener pharmazeutischer Betreuungsleistung sowie die Befindlichkeit und Lebensqualität der Patientinnen, Anregungs- und Kritikpunkte sowie bereits erzielte Erfolge. Um den Nutzen einer intensivierten Pharmazeutischen Betreuung abschätzen zu können, wurden die Daten beider Patientengruppen miteinander verglichen. Auch die Studienapotheken wurden zu ihren Erfahrungen mit der Pharmazeutischen Betreuung befragt. Die Studie wurde im Oktober 2007 abgeschlossen, die Endergebnisse 2010 publiziert.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Studie können als Indiz für die Praxistauglichkeit und eine erfolgreiche Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung von Mammakarzinompatientinnen in der öffentlichen Apotheke gewertet werden. Die in dieser Studie ermittelten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die gewählten Endpunkte geeignet sind, den Nutzen einer intensivierten Pharmazeutischen Betreuung aufzuzeigen. Hinsichtlich der Patientenzufriedenheit mit der Information zur Krebsbehandlung und der Zufriedenheit mit der Pharmazeutischen Betreuung sowie dem Umfang an erhaltener pharmazeutischer Betreuungsleistung konnten signifikante Gruppenunterschiede mit Vorteil für die Intensivbetreuungsgruppe ermittelt werden. Auch in einzelnen Bereichen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Patientengruppen. Die Patientinnen der Intensivbetreuungsgruppe (97,8 %) nahmen den/die ApothekerIn als pharmazeutische/n BeraterIn deutlich stärker wahr als Patientinnen der Standardbetreuungsgruppe (17,4 %). Das Konzept der Pharmazeutischen Betreuung konnte gut in den Apothekenalltag integriert werden. Die Patientinnen wurden umfassend zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen sowie supportiven und komplementären Therapiemethoden beraten. Arzneimittelbezogene Probleme konnten erfasst und mehrheitlich durch Beratung in der Apotheke gelöst werden, bei Bedarf nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Von den ermittelten arzneimittelbezogenen Problemen wiesen die unerwünschten Arzneimittelwirkungen die höchste Prävalenz auf, gefolgt von Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und zuletzt Doppelverordnungen. Beinahe alle befragten Apotheker wollten die intensivierte Pharmazeutische Betreuung über das Studienende hinaus fortführen.


Kooperationspartner

  • Die wissenschaftliche Betreuung des Projekts erfolgte durch Herrn Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Lehrstuhl für Klinische Pharmazie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 
  • Das Projekt wurde durch die Bayerische Landesapothekerkammer finanziell gefördert.

 


Kontakt zur Projektleitung

Dr. Silke Kaulich, 0821 45054-181, silke.kaulich@beta-institut.de  

 

Weiterführende Links

  Case Management in Apotheken
  Download Projektüberblick in Posterform 

  Download Projektüberblick Posterpräsentation (engl.)

 Studie/Dissertation online. Dort auch Download möglich.

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