Case Management in der Apotheke Praxisprojekt und wissenschaftliche Studie
Das Studien- und Modellprojekt "Case Management in Apotheken" wurde im März 2004 abgeschlossen und brachte zwei zentrale Ergebnisse:
- Apotheken sind sehr gut geeignet, ihre Patienten in sozialen Fragen erfolgreich zu betreuen und
- diese soziale Beratung verbessert die Lebensqualität von belasteten Patienten signifikant.
Das bundesweit einmalige Projekt mit wissenschaftlicher Begleitstudie erweiterte die Pharmazeutische Betreuung in Apotheken um den sozialen Baustein. Der Handlungsansatz Case Management wurde hierfür angewandt, weil er besonders patientenorientiert ist und sich vor allem für komplexe Fälle eignet: Der Apotheker als Case Manager verlässt den pharmazeutischen Blickwinkel, betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit und berücksichtigt dabei auch finanzielle, psychische und soziale Aspekte. An der Pilotstudie nahmen 22 Apotheken im Raum Augsburg und Weiden mit 120 Patienten teil.
Case Management verbessert Lebensqualität
Die Studie ergab eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten, die mit Hilfe von Case Management in der Apotheke sozial beraten wurden. Dies wurde mit drei Patientenbefragungen vor, unmittelbar nach und sechs Monate nach der Betreuung ermittelt. Die Studienpatienten waren zufriedener und fühlten sich umfassend betreut. Die psychische Summenskala (siehe Grafik) erreichte sogar Normalwerte, das heißt: Obwohl schwer belastet, fühlen sich die Patienten nach eigenen Angaben psychisch gut. Das war so deutlich nicht zu erwarten. Auch die körperliche Befindlichkeit verbesserte sich - ebenfalls überraschend, denn in der Studie wurde nur sozial beraten. Die hohen Werte der dritten Befragungswelle sechs Monate nach der Betreuung belegen zudem, dass die Beratung nachhaltigen Erfolg hat. Detaillierte Informationen und viele Grafiken finden Sie im Kurzbericht (Download pdf) zur Studie.

Die Ziele der Studie wurden komplett erreicht: Neben der festgestellten signifikanten Verbesserung der Lebensqualität wurde der Bedarf an sozialer Beratung festgestellt und bewiesen, dass sich Case Management in Apotheken umsetzen lässt. Um die Apotheker und ihre Mitarbeiter für die neue Aufgabe zu qualifizieren, wurde eine spezielle Case-Management-Fortbildung entwickelt.
Fortbildung Case Management in Apotheken
In dieser Fortbildung vermittelten die Referenten (1) den Handlungsansatz Case Management mit seinem strukturierten Vorgehen, (2) Wissen und Erfahrungen zur wirkungsvollen Kommunikation mit belasteten Patienten sowie (3) sozialrechtliches Grundwissen, um gezielt helfen zu können. Die Fortbildung wurde zwischenzeitlich auch unabhängig von der Studie angeboten. Die Bayerische Landesapothekerkammer rechnete ihren Mitgliedern für die Teilnahme 47 Fortbildungspunkte an. Aus der Studie heraus wurde zudem eine vierstündige Schulung für den Einstieg in die soziale Beratung entwickelt. Sie wurde zwischenzeitlich in fast ganz Deutschland angeboten.
Studienleiterin vor Ort war die Apothekerin Doris Schmid-Sroka, die Berliner Professorin Dr. Marion Schaefer betreute die Studie wissenschaftlich. Sie leitet an der Humboldt Universität/Charité Berlin die Arbeitsgruppe Arzneimittelepidemiologie/Sozialpharmazie und beschäftigt sich seit Jahren mit Pharmazeutischer Betreuung. Kooperationspartner waren die Bayerische Landesapothekerkammer, die Qualitätszirkel Pharmazeutische Betreuung Augsburg und Weiden sowie die betapharm Arzneimittel GmbH. Die Studie wurde gefördert vom Bayerischen Sozialministerium.
Weiterführende Links
Exposé zur Studie Download
Kurzbericht zur Studie Download
Kontakt zur Studienzentrale Telefon 0821 45054-0 |